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Report: Nur Steintafeln halten ewig
Digitale Amnesie

Artikel aus Internet Professionell Ausgabe 6/2007
Author: Manuel Masiero

Digitale Medien halten nicht für die Ewigkeit. Nach nur wenigen Jahren sind private Erinnerungen ebenso wie wertvolle Geschäftsdaten dahin. Nur mit der der richtigen Strategie retten Sie Ihr digitales Gedächtnis.

Die Vergänglichkeit des Digitalen

Wir schreiben das Jahr 2528. Archäologen stoßen bei Ausgrabungen auf eine DVD-ROM. Unsere Nachfahren vermuten richtig, dass es sich bei der dünnen Scheibe um einen archaischen Datenspeicher aus den Anfängen des Jahrtausends handelt. Aber an die Informationen darauf kommen die Forscher nicht heran. Aufzeichnungen darüber, wie eine DVD funktioniert, gibt es nicht mehr. Und die Informationen auf der Scheibe haben sich längst verflüchtigt übrig bleibt eine leere Hülle.

Die Vergänglichkeit des Digitalen
Nichts ist so vergänglich wie digital gespeicherte Daten. Mit unlesbaren Medien werden sich nicht nur unsere Nachfahren herumschlagen müssen das Problem plagt viele Computeranwender bereits heute. Gemeinsam ist digitalen Speichermedien trotz aller Versprechen um ihre Haltbarkeit nur eines: Bei keinem lässt sich hundertprozentig sicherstellen, dass es sich nach mehr als fünf Jahren noch auslesen lässt. Das betrifft nicht nur DVDs, sondern auch Streamer-Tapes, Festplatten und Flash-Sticks, denen Anwender und Unternehmen wichtige Daten anvertrauen. Und das Vertrauen wächst, denn immer mehr Daten werden digital gespeichert.

Ein Datenberg von 161 Milliarden Gigabyte
Tatsächlich ist es ein gigantischer Datenberg, der in digitalen Speichern ruht: 161 Milliarden Gigabyte, so groß ist laut IDC-Marktforschung der aktuelle Datenbestand der Welt. Bis 2010, so schätzt das Institut, soll die Datenflut auf 988 Milliarden Gigabyte anwachsen, umgerechnet sind das 988 Exabyte. Rund 70 Prozent der digitalen Informationen wird dabei von Privatleuten produziert, beispielsweise durch Websurfen, Fotografieren oder Filmen. Bei 85 Prozent der Daten unterliegt die Speicherung aber Firmen, die selbst für die Sicherheit der Informationen und die Einhaltung von Datenschutz-Richtlinien verantwortlich sind. Auf Papier landet nur noch ein winziger Bruchteil der Daten: Schon 1993 wurden nur 0,01 Prozent der in diesem Jahr produzierten Daten auf Papier gespeichert.

Nur Steininschriften halten ewig
Während Papier unter günstigen Umständen noch nach vielen hundert Jahren lesbar ist und Steintafeln sogar Millennien unbeschadet überstehen, verlieren Magnetbänder ihre Speicherfähigkeit schon nach 20 bis 30 Jahren. Wie lange Festplatten halten, hängt extrem von ihren Einsatzbedingungen ab. Sind die Daten beispielsweise auf CD gespeichert, greifen chemische Reaktionen das Trägermaterial an, so dass sie nach vielleicht 25, vielleicht 80 Jahren unlesbar sind. Selbstgebrannte CDs schaffen nur einen Bruchteil dieser Zeit. In einem Langzeittest von PCpro zeigt sich, dass selbstgebrannte CDs auch bei optimaler Lagerung schon nach einem halben Jahrzehnt einen Teil ihrer Daten verlieren können. Die Amnesie greift besonders schnell bei No-Name-Produkten um sich.

Digital ist viel komfortabler
Keine Frage, digitales Speichern ist unbestritten praktisch. Daten sind schnell verfügbar und benötigen weniger Lagerfläche. Statt beispielsweise im dicken Brockhaus-Lexikon umständlich nach dem Gesuchten zu blättern, schlägt man das Stichwort schnell in der Digital-Ausgabe nach. Und statt eines kompletten Regalmeters begnügt sich der Digi-Brockhaus mit einer schmalen DVD-Hülle.
Auf diese Vorteile muss man trotz der Anfälligkeit digitaler Medien nicht verzichten. Mit den geeigneten Strategien lassen sich Informationen auch über lange Zeit sicher aufbewahren. PCpro erklärt, wie Sie Ihre Daten am besten vor Verlust schützen und wie langlebig Speichermedien wie CD, Festplatten und Flashspeicher wirklich sind. Auch für den Unternehmenseinsatz gibt es Lösungen, die eine längere und rechtskonforme Haltbarkeit der Daten versprechen.

Defekte frühzeitig erkennen
Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie frühzeitig Defekte von Datenträger erkennen oder zumindest erahnen. Das ist bei digitalen Medien besonders wichtig, da man ihnen Schäden äußerlich nicht ansieht. Im Gegensatz dazu ist bei analogen Medien der Übergang zwischen »Funktionieren« und »Defekt« fließend: Eine PCpro-Ausgabe aus dem Jahr 1999 lässt sich auch dann noch lesen, wenn einzelne Heftteile nicht mehr fest in der Bindung sitzen, Seiten geknickt oder einzelne Wörter bereits verblasst sind. Hier erkennt man klar, wann die Informationen verloren gehen und kann weiterem Verfall vorbeugen, indem man einzelne Seiten kopiert oder den Einband erneuert. Die Kontrollmöglichkeit hat man bei digital gespeicherten Inhalten nicht.

Häufig migrieren oder Hardware behalten

Häufiges Umkopieren von Daten mag lästig erscheinen, ist aber eine wirksame Methode zur Sicherung des Speicherbestands. Wenn Sie zum Beispiel wichtige Daten auf einer Diskette gespeichert haben, finden Sie schon bei aktuellen Rechnern kein passendes Laufwerk mehr. Fein raus sind nur Anwender, die ihre Original-Hardware behalten oder die Daten migriert haben.
Gewöhnliche digitale Speichersysteme dienen nur der reinen Archivierung, ohne Rücksicht auf spätere Systemwechsel. Früher oder später sind die Daten dann aber unlesbar und damit wertlos. Das musste schon die NASA in den 90er Jahren leidvoll erfahren, als sie auf Daten der Saturnmission der Raumsonde »Pioneer« nicht mehr zugreifen konnte. Trotz redundanter Speicherung auf verschiedenen Datenträgertypen waren keine Lesegeräte mehr verfügbar.



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